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Brennpunkt Unternehmensnachfolge

29. April 2016

9. Mosbacher Finanz- und Steuertag an der DHBW Mosbach

Die Gestaltung der Unternehmensnachfolge ist eine Herausforderung, der aktuell viele Familienunternehmen gegenüber stehen. So sind nach statistischen Angaben bis 2018 in Deutschland rund 135.000 Unternehmen „übergabereif“. Davon stammen rund 19.000 Unternehmen aus Baden-Württemberg, wobei allein in der Rhein-Neckar-Region laut IHK-Angaben rund 1.000 Unternehmen bis 2018 zu übergeben sind. Auf diese Daten wies Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann, Rektorin der DHBW Mosbach, in ihrer einleitenden Begrüßung zum 9. Mosbacher Finanz- und Steuertag (MoFiSta) hin.

Sie unterstrich damit die Relevanz des Schwerpunktes der Tagung, die wie in der Vergangenheit wieder gemeinsam durch den Studiengang „RSW – Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Unternehmensrechnung und Finanzen“ der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach unter der Leitung von Steuerberaterin Prof. Dr. Elke Heizmann sowie das IWS Institut für Wirtschaft und Steuer GmbH unter der fachlichen Leitung des Geschäftsführers, Rechtsanwalt und Steuerberater Thomas Fränznick, ausgerichtet wurde.

Diplom-Finanzwirt Rüdiger Weimann, Umsatzsteuerspezialist aus Dortmund, stellte in seinem einleitenden Vortrag die umsatzsteuerlichen Aspekte eines Unternehmensverkaufs – als eine Option der Unternehmensübergabe – in den Vordergrund. Er zeigte auf, dass Verkäufe des Unternehmens im Ganzen mit Blick auf die Umsatzsteuer grundsätzlich nicht umsatzsteuerbar sind. Jedoch, so Weimann, hängt die Frage der Steuerbarkeit ganz entscheidend davon ab, ob nach der Unternehmensübergabe das Tätigkeitspektrum hinreichend mit dem vor der Unternehmensübergabe übereinstimmt. Hier kann es mitunter zu unangenehmen „Überraschungen“ kommen, wenn die Einschätzung der Finanzverwaltung nicht mit der der Unternehmensveräußerer bzw. -erwerber übereinstimmt. Insbesondere im Zusammenhang mit Grundstücksübertragungen (z.B. Bauträgern) kommt es hier immer wieder zu Zweifelsfragen. Erschwert wird die Lage noch dadurch, dass möglicherweise auch die Finanzbehörden untereinander zu abweichenden Rechtseinschätzungen gelangen. Weimann folgend ist hier insbesondere der Steuerberater gefordert, auf bestehende interne Verwaltungsregeln zu verweisen, um Nachteile für seine Mandanten abzuwenden.

Unternehmensübertragungen nicht allein aus steuerlichen Gründen vollziehen

Im zweiten Referat widmete sich Rechtsanwalt Thomas Fränznick, Geschäftsführer der OT-Rechtsanwaltsgesellschaft in Mosbach, der Frage, ob mit Blick auf die Reform des Erbschaftsteuerrechts 2016 eine Übertragung noch nach aktueller Rechtslage angestrebt werden sollte. Hintergrund ist die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, wonach die bestehende Rechtslage als verfassungswidrig festgestellt wurde, da sie zu unverhältnismäßigen Begünstigungen für unternehmerisches Vermögen führen würde. Der Gesetzgeber ist daher aufgerufen, die erbschaft- und schenkungssteuerrechtlichen Rahmenbedingungen bis zum 30. Juni 2016 zu reformieren.

Fränznick zeigte die Grundzüge der aktuellen Gesetzeslage auf und stellte diese den Regeln gegenüber, die in einem Gesetzesentwurf aus dem Jahr 2015 dargelegt sind, dessen Umsetzung jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen inhaltlich wie auch zeitlich gesehen noch unsicher ist. Fränznick empfahl mit Blick auf diese Situation unter anderem, Betriebe mit weniger als 20 Arbeitnehmern wenn möglich vor dem 30. Juni 2016 unter Nutzung der bestehenden Regeln zu übertragen. Gleiches scheint nach Fränznick sinnvoll, wenn der Wert des Unternehmens vorhersehbar größer als 26 Millionen Euro ausfallen sollte. Er warnte jedoch zugleich ausdrücklich davor, Unternehmensübertragungen allein aus steuerlichen Gründen zu vollziehen.

Steuerberater als emotional und professionell kompetente Begleiter

Dass letztlich eine Unternehmensnachfolge nicht nur mit Blick auf die steuerlichen Regeln geplant sein sollte, zeigte auch der Vortrag von Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Rainer Schuppert aus Oberstenfeld, der sich nach langjähriger Tätigkeit als Partner einer großen Steuerberatungsgesellschaft selbständig gemacht und auf die Beratung von Familienunternehmern im Rahmen der Unternehmensnachfolge spezialisiert hat. Schuppert zeigte am Beispiel eines „Patchwork-Familien-Unternehmens“ auf, dass die Übergabe eines Unternehmens eine psychologisch heikle Situation sein kann, in der die Rechts- und Steuerberater als emotional und professionell kompetente Begleiter gefordert sind, die ein interdisziplinär besetztes Team einbeziehen und koordinieren sollten. Als Erfolgsfaktoren für eine gelungene Unternehmensnachfolge sieht Schuppert, dass klare Vorstellungen über die Bestimmung des Nachfolgers ebenso bestehen wie eindeutige testamentarische Regeln, die allen Interessenlagen der Mitglieder der „Patchwork-Familie“ hinreichend gerecht werden.

Insgesamt sind die Veranstalter auch mit dem Verlauf des diesjährigen MoFiSta wieder sehr zufrieden. Heizmann betonte den gelungenen Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Auch Fränznick zeigte sich zufrieden: „Die große Resonanz von der Praxis-Seite zeigte, dass wir mit unserer Veranstaltung ein wichtiges Thema aufgegriffen haben.“