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Brennpunkte bei der Besteuerung mittelständischer Unternehmen

19. Mai 2014

7. Mosbacher Finanz- und Steuertag informiert über Steuern im internationalen Umfeld

Die Organisatoren und Referenten des 7. Mosbacher Finanz- und Steuertags mit Rektorin Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann (2.v.r.). Foto: DHBW

Mittelständische Unternehmen sind zunehmend nicht nur im nationalen Umfeld, sondern auch in internationalen Märkten tätig. Der 7. Mosbacher Finanz- und Steuertag (MoFiSta) der DHBW Mosbach und des IWS konzentrierte sich daher auf Besteuerung im internationalen Kontext: Was ist eine Gelangensbestätigung? Sind Holdinggesellschaften eine lukrative Unternehmensstruktur für den Mittelstand? Wofür muss man die Verrechnungspreisermittlung dokumentieren?

„Für unsere Veranstaltung konnten wir bundesweit renommierte Experten aus der Branche gewinnen“, freute sich Organisatorin Prof. Dr. Elke Heizmann, Studiengangsleiterin für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Unternehmensrechnung und Finanzen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. „Da viele mittelständische Betriebe auch international agieren, wird die Frage der Besteuerungspraxis in anderen Ländern zunehmend wichtiger“, berichtete Thomas Fränznick, Mitorganisator und Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaft und Steuer (IWS) in Mosbach. Knapp 100 Teilnehmer aus der Steuer- oder Unternehmensberatung, Wirtschaft, Finanzverwaltung und Justiz diskutierten am 9. Mai 2014 mit ihnen und den vier Referenten über Steuerproblematiken.

Holdingstrukturen als „Steuersparmodell“?
Im Fokus des ersten Vortrags standen Einzelprobleme des internationalen Umsatzsteuerrechts. Rüdiger Weimann, freier Gutachter und Fachautor zu Umsatzsteuerfragen aus Dortmund, erklärte Vorsteuerprobleme von EU-Kunden bei steuerpflichtigen Abrechnungen und wie die Unternehmereigenschaft und Seriosität des EU-Geschäftspartners geprüft werden können. Weiterhin ging er darauf ein, welche Anforderungen bei der Ausgestaltung der sogenannten Gelangensbestätigung zu beachten sind, die als Ersatz für die Abnehmerversicherung eingeführt wurde.

Florian Kaiser und Dr. Susanne Kölbl, beide Steuerberater bei Rödl & Partner in München, befassten sich im zweiten Vortrag mit der Frage, ob Holdinggesellschaften eine lukrative Unternehmensstruktur für den Mittelstand darstellen. Einleitend zeigten sie die Funktionsweise des auf Holdingstrukturen basierenden „Steuersparmodells“ von Apple, Google und Co. Ihr Zwischenfazit war, dass diese Strukturen vor allem für US-amerikanische Unternehmen, nicht aber für den deutschen Mittelstand geeignet sind, um steueroptimal zu handeln. Darauf aufbauend konnten die Referenten jedoch beschreiben, wie auch für mittelständische Unternehmen bestimmte Holdingstrukturen eine Option darstellen können, um etwa Verluste zu verrechnen, Quellensteuern zu reduzieren oder ausländische Erbschaftsteuern zu vermeiden.

Dokumentation internationaler Verrechnungspreise
Im dritten Vortrag stellte Dr. Martin Cordes von der Sozietät Flick / Gocke / Schaumburg in Bonn vor, was mittelständische Unternehmen bei der Gestaltung von Verrechnungspreisen für grenzüberschreitende Konzerntransaktionen zu beachten haben: Eine zentrale Rolle bildet in diesem Zusammenhang die sachgerechte Dokumentation der Verrechnungspreisermittlung. Damit kann das Unternehmen gegenüber der Finanzverwaltung nachweisen, dass keine unangemessenen Gewinnverlagerungen zu Konzernunternehmen im Ausland stattgefunden haben. Fehlt dieser Nachweis, entsteht auch für mittelständische Unternehmen das Risiko einer höheren Gewinnschätzung durch die Finanzbehörde.

Prof. Dr. Elke Heizmann freute sich über den Erfolg des MoFiSta: „Hochkarätige Referenten haben aktuelle Themen aus dem Bereich der internationalen Besteuerung mittelständischer Unternehmen anschaulich und zugleich fundiert dargelegt.“ Auch Fränznick zeigte sich zufrieden: „Die Themenauswahl stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse. Dies motiviert, auch im nächsten Jahr diese etablierte Plattform des Erfahrungsaustauschs auf hohem Niveau fortzuführen.“