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„Der Mensch bleibt Beherrscher des Systems“

11. Mai 2015

Schlossgespräche zu Industrie 4.0 am Campus Bad Mergentheim

Eine Revolution ist im Gang. Im Alltag sind wir umgeben von Millionen miteinander vernetzten Geräten: von Tablets und Smartphones, intelligenten Thermostaten und Stromzählern, von Navigationssystemen und Fitnessarmbändern. Auch in Fabriken verändern Werkstücke und Produktionsanlagen, die miteinander kommunizieren, die Arbeitswelt drastisch. Warum der Mensch dabei niemals überflüssig wird und welchen Beitrag der Campus Bad Mergentheim der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach leisten kann, war Thema der Schlossgespräche zu Industrie 4.0.

Die von der DHBW Mosbach und der IHK Heilbronn-Franken organisierten Schlossgespräche boten rund 100 Führungskräften, Vertretern von Kommunen und Organisationen sowie Studierenden und Gästen einen ideallen Rahmen, sich über ein aktuelles Thema auszutauschen. DHBW-Rektorin Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann freute sich über die „gelebte Dualität“, die dieses Diskussionsformat am 7. Mai sichtbar machte. Einig über die Bedeutung von Industrie 4.0 für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit auch des Standorts waren sich alle drei Grußwortredner: Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, Dr. Gunther Wobser, Mitglied des Beirats des Campus Bad Mergentheim und Mitglied der Vollversammlung der IHK Heilbronn-Franken sowie Udo Glatthaar, Oberbürgermeister der Stadt Bad Mergentheim. Die zu erwartenden Vorteile sahen sie in der Steigerung der Produktivität um bis zu 20 Prozent, individualisierten Produkten trotz kleiner Stückzahlen, hoher Qualität bei bezahlbaren Kosten und schneller Reaktionszeit.  

Die vierte industrielle Revolution

Doch was ist unter diesem Begriff Industrie 4.0 überhaupt zu verstehen? Industrielle Revolutionen verändern die Arbeits- und Lebensbedingungen drastisch. Die bekannteste und in Schulbüchern gelehrte industrielle Revolution fand im 19. Jahrhundert im Zuge der Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft statt. Nach der Massenfertigung durch Fließbandarbeit folgte die dritte, digitale Revolution, die die Automatisierung brachte. Die vierte Revolution läuft nun unter dem Schlagwort Industrie 4.0. Darunter fasst man Automatisierungstechnik, die sich selbst analysieren und steuern kann.

Wie das funktioniert, erklärte Referent Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Dr. h. c. Dieter Spath, Vorstandsvorsitzender der Wittenstein AG und ehemaliger Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation, dem Publikum mit einem einfachen Beispiel: Früher gab es im Büro eine Kaffeemaschine, die angeschafft und betreut werden musste. Kaffeepulver war ebenso zu organisieren wie die berühmte Kaffeekasse. Mit einer intelligenten Kaffeemaschine würde sich das gesamte System ändern. Die Maschine bestellt selbständig Pulver und weiß, wann sie gewartet werden muss. Sie wird vom Hersteller gestellt, die Mitarbeiter zahlen mit einem Chip direkt an ihn. Das System steuert sich selbst, neue und kleinteilige Geschäftsmodelle entstehen.

Übertragen auf Fertigungstechnik bedeute dies nicht, dass sich Fertigung und Logistik in einer Smart Factory - einer intelligenten Fabrik - vollständig selbst steuern, so Spath. Vielmehr liefern Werkstücke und Anlage beständig Informationen und kommunizieren miteinander. Damit bekommt man ein Echtzeitabbild – der entscheidende Vorteil: Erst mit diesen Informationen sei der Mensch in der Lage, aufgrund belastbarer und nicht nur statistischer oder veralteter Daten Entscheidungen zu treffen. „Der Mensch bleibt Beherrscher des Systems, der Akteur und Entscheider“, so Spath. Es gehe nicht um bedingungslose Automatisierung, sondern um flexible Fertigung.

Die DHBW Mosbach als Partner für Industrie 4.0

Die DHBW Mosbach und den Campus Bad Mergentheim sah Spath in der Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Simon Möhringer, Studiengangsleiter Wirtschaftsingenieurwesen, und Prof. Dr. Dr. h. c. Harald Unkelbach, Präsident IHK Heilbronn-Franken, auf einem guten Weg: Sie könne die Unternehmen nicht nur mit qualifizierten Führungskräften mit dem entsprechenden Blick fürs Gesamte und für Industrie 4.0 versorgen, sondern sollte auch zu diesem Bereich forschen. Er erwarte im Bereich der Forschung rund um Fertigungstechnik von der DHBW handfestere Ergebnisse als aus universitärer Hand –  dank eines Netzwerks und der Expertise von rund 1.000 Partnerunternehmen. Und auch für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle setzt er lieber auf die Praxisorientierung der DHBW.

Möglichkeiten bieten die DHBW Mosbach und ihr Campus Bad Mergentheim dazu genug: durch Anpassung der Stundenpläne im vorhandenen Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen beispielsweise oder auch mit dem neuen DHBW-Masterstudiengang „Integrated Engineering“. Campusleiter Prof. Dr. Seon-Su Kim betonte: „Die hochkarätigen Gäste auf dem Podium und im Publikum belegen, dass das Thema Industrie 4.0 den Nerv der Zeit trifft. Unser Campus in Bad Mergentheim bietet den Dualen Partnern aus Heilbronn-Franken mit den Schlossgesprächen eine wichtige Plattform zum Austausch untereinander, mit der Hochschule und der IHK Heilbronn-Franken.“