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"Die schwarze Kunst soll weiterleben"

16. Dezember 2015

Studenten der Dualen Hochschule Mosbach begaben sich zurück in die Zeit der frühen Druckerkunst

Von Gutenbergs revolutionären Erfindungen im Buchdruck, über die erste mechanische Setzmaschine, bis zu den heutigen digital gesteuerten Druckmaschinen – die faszinierenden Anfänge des modernen Buch- und Zeitungsdrucks liegen nun schon einige hundert Jahre zurück. Eine beachtliche Zeitspanne, in der sich entwicklungstechnisch, insbesondere im heutigen Zeitalter der Digitalisierung, einiges getan hat.

Auf die Spuren der „schwarzen Kunst“ begaben sich dieser Tage die Studenten des Studiengangs „Onlinemedien“ der Dualen Hochschule Mosbach. Gemeinsam mit dem Lehrbeauftragten für den Bereich „Print“, Gerhard Cherdron, Geschäftsführer der Druckerei Laub in Dallau, erkundeten sie das breit gefächerte Spannungsfeld von modernen elektronischen Medien bis hin zu althergebrachten mechanischen Druckmethoden.

Nach einigen in die Thematik einführenden Vorlesungen, unter anderem mit interessanten Inhalten zur Geschichte des Druck und der Herstellung von Papier, ging es in das Mosbacher Druckmuseum in der Hospitalscheune.

Die Einrichtung, heute Teil des Stadtmuseums, wurde von passionierten ehemaligen Druckern und Setzern rund um Karl Kretschmer im Industriepark Neckarelz gegründet. Mit liebevoll gepflegten und damit voll funktionsfähigen Druck- und Setzmaschinen wird die über 550-Jährige Geschichte des Druckgewerbes veranschaulicht.

Angefangen hat alles mit Gutenbergs Erfindung der Bleilettern, einzelnen gegossenen Buchstaben. Bereits 1884 konstruierte Ottmar Mergenthaler eine Setzmaschine, die die Fließsatzarbeit erheblich erleichterte. „Erst durch den Mengensatz war die Herstellung von Zeitungen im heutigem Umfang möglich“, wusste Herbert Schmitt, Maschinensetzer i. R., der zuvor über 30 Jahre bei der RNZ gearbeitet hat. Er führte vor, wie mit der Setzmaschine „Linotype“ ganze Buchstabenreihen aus Matrizen gesetzt und mit flüssigem Blei abgegossen werden konnten. Die fertigen Zeilen wurden dann vom Handsetzer oder Metteur zu Seiten zusammengesetzt und in den Schlitten einer Druckmaschine, beispielsweise dem „Johannisberger Stoppzylinder“, eingespannt. Diese Maschine war bereits 1890 in der Lage, das manuell unterstützte Einziehen der Blätter, die Einfärbung der Form und den Druck, sowie das anschließende Falzen „inline“ auszuführen. „Die Maschine funktioniert nach denselben Prinzipien, die wir heute beim Drucken kennen“, so Gerhard Cherdron.

Karl Kretschmer machte auf die aus der Maschine hervorgehende Weiterentwicklung, die Rotationsmaschine, die „rund gegen rund“, statt auf Bogen-, auf Rollenpapier druckt, aufmerksam. Die heute noch funktionstüchtigen Maschinen sowie der damals gelegte Grundstein für die moderne Technik faszinierten nicht nur die Studenten. So wurde die Besichtigung mit Interesse verfolgt und die Verantwortlichen freuten sich anschließend über eine positive Resonanz.

Nebenbei holten sich die Studierenden zahlreiche wertvolle Anregungen für ihr Filmprojekt im Rahmen des Studiums. Das eigenständig erstellte Filmmaterial der letzten Jahre über Mosbach lässt sich im Internet unter www.stadtlandfluss-geschichten.de abrufen.

 

Diesen Artikel verfasste Jana Grosser für die Rhein-Neckar-Zeitung.