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Im Foodgarden lassen Fische die Gurken wachsen

12. Januar 2015

Mechatronik-Studenten der DHBW Mosbach arbeiten mit OM Mosbach an der Entwicklung eines autarken "Food-Gardens"

 

Autor: Heiko Schattauer (RNZ)

Von außen sieht es ein bisschen nach einem Ufo aus, was da seit Frühling auf dem Gelände der Mosbacher Deetkenmühle steht. Und das überdimensionale Kunststoffkuppelzelt sieht nicht nur außergewöhnlich aus, sondern beherbergt auch ein außergewöhnliches Projekt. "Food-Garden" heißt auf bestem Neudeutsch das Feld, das aktuell Studenten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach und Verantwortliche des Missionswerks "Operation Mobilisation" (OM) zusammen beackern. Wobei es im Gegensatz zu einem ordinären Feld hier zwar auch Pflanzen, aber eben kein Gramm Erde oder sonstigen Ackerboden gibt.

Dass Pflanzen auch ohne Erde als Nährboden gedeihen können, verdeutlicht das vielfältige Grün, das im feuchten Klima des Kuppelgewächshauses gewachsen ist. Auf einer Seite hängen bereits erste Gurken über den Wasser führenden Rohren, auf der anderen Seite recken sich Endiviensalatblätter aus rückwändig befeuchteten Styrodurplatten. Rohre? Styrodurplatten? Ja, richtig gelesen: Im Gewächshaus unweit der Elz wachsen die Pflanzen eben nicht in Trögen oder Beeten. Sondern in sonderbar anmutenden Eigenkonstruktionen. "Wir erproben zwei Systeme: Ein Aeroponik- und ein Hydroponiksystem", erläutert Julius Hoppert, Leiter des DHBW-Studententeams, das sich gemeinsam mit OM Mosbach und Sven Benseler (DHBW-Ingenieur und OM-Mitarbeiter) um das Projekt Food-Garden kümmert. Bei der Aeroponik wachsen die Wurzeln von Salat und Co. hinter erwähnter Styrodurplatte praktisch in die Luft, werden immer wieder tröpfchenweise mit Wasser befeuchtet. Bei der Hydroponik stehen die Pflanzenwurzeln zur Hälfte dauerhaft im Wasser (Rohrsystem).

Und dann findet sich im Food-Garden noch ein großer Wassertank mit rund 80 Barschen darin. Denn das gesamte Wasser für die Pflanzen stammt aus dem Fischtank. Die natürlichen Ausscheidungen der Fische dienen als Nährstofflieferant/Dünger für die Pflanzen, das von den Pflanzen nicht genutzte Wasser wird über Biofilter aufbereitet und gelangt zurück in den Fischtank. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, der nur wenig zusätzliches Wasser von außen benötigt. Ein System, ideal geeignet für den Einsatz in Gebieten mit wenig Wasser und schlechter Bodenqualität. Neben den Pflanzen können auch die ausgewachsenen Fische als Nahrungsmittel für den Menschen dienen.

Julius Hoppert und seine Kommilitonen sind übrigens Mechatronikstudenten - und demnach nicht sofort mit Gewächshäusern, Pflanzenlehre oder Fischzucht in Verbindung zu bringen. "Ja, am Anfang war das schon erst mal ein bisschen schwierig für uns", gibt Daniel Becker zu, der wie seine Kommilitonen im 5. Semester an der DHBW Mosbach studiert. Nach ein wenig theoretischer Grundlagenarbeit sei man dann aber doch recht schnell drin gewesen. Zumal Studiengangsleiter Prof. Dr. Rainer Klein schmunzelnd anfügt: "Ein Mechatroniker muss eigentlich alles können, also auch fächerübergreifend arbeiten. Da gibt es keine Ausreden."

Inzwischen sind seine Studenten, seit September bei der Sache, bestens eingearbeitet, mittendrin im Projekt "Food Garden". Hoppert und Co. sollen dafür sorgen, dass die beiden Gewächshaussysteme zuverlässig und effektiv(er) funktionieren.

De facto kümmern sich die Studenten dann eben doch wieder um "mechatronische" Themenfelder wie die Steuerung des Wasserhaushalts oder die Überwachung von Einflussgrößen wie Lichtintensität, Luft- oder Wassertemperatur. Sie sollen für die passenden Sensoren und Steuerungseinheiten sorgen, ebenso für eine autarke Stromversorgung.

"Das sind schon komplexe Themenfelder", sagt Prof. Dr. Klein, mit der Arbeit der Fünftsemester werde das Projekt sicher noch nicht abgeschlossen sein. Vielmehr sollen weitere Studententeams in der Folge weiter am Food-Garden-Vorhaben mitwirken, es optimieren. Am Ende soll das Gewächshaussystem effektiv funktionieren, modular einsetzbar und möglichst einfach für die Anwender zu steuern sein.

Bis März wollen Julius Hoppert, Daniel Becker, Arnim Kersten, Eric Rittger und Kevin Reim möglichst viele dieser Vorgaben erfüllen. Denn noch im Jahr 2015 will OM auf Basis eines Mosbacher Prototyps einen (oder auch mehrere) Food-Garden in wasserarmen Regionen erstellen. "Wir haben zahlreiche Anfragen", konkretisiert Sven Benseler. Einsatzmöglichkeiten gibt es sicher genug, Kontakte ebenso: OM Mosbach ist in mehr als 100 Ländern mit Projekten aktiv.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Neckar-Zeitung, in der der Artikel am 2. Januar 2015 erschienen ist. Den Artikel im Original finden Sie hier.