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Mit ausländischen Studierenden dem Fachkräftemangel begegnen

23. Juli 2014

DHBW Mosbach initiiert Pilotprojekt

Mosbach / Bad Mergentheim, 23. Juli 2014 – Das Thema Fachkräftemangel ist in aller Munde. Um internationalen Personalnachwuchs in die Region Main-Tauber, Hohenlohe, Neckar-Odenwald und Heilbronn zu bringen, startet die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach am Campus Bad Mergentheim ein Pilotprojekt. Erster Meilenstein ist ein Orientierungsseminar, um europäischen Abiturienten die Gegend, das duale Studium und die Hochschule vorzustellen.

Die ersten 16 Schülerinnen und Schüler kommen dazu bereits am 4. August an den Campus Bad Mergentheim der DHBW Mosbach. Sie stammen aus Bulgarien, Italien, Polen, Rumänien und Kroatien, sind zwischen 17 und 18 Jahre alt und machen spätestens nächstes Jahr Abitur. Sie alle sprechen bereits Deutsch auf gutem Niveau. Auf dem vierwöchigen Programm stehen für sie mehr als 60 Stunden Intensivsprachkurs, Besichtigungen bei Partnerunter-nehmen sowie die Vorbereitung auf deutsche Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Denn am Ende des Kurzprogramms folgt idealerweise eine Bewerbung um einen Praktikumsplatz oder einen Studienplatz bei einem Dualen Partner. Ist letztere von Erfolg gekrönt, können die ausländischen Gäste ein Studium an der DHBW aufnehmen.

Die Studieninteressierten aus dem Ausland sind hochbegehrt: Laut einer Studie der Boston Consulting Group vom Juni 2014 fehlen in Deutschland im Jahr 2020 rund 2,4 Millionen Arbeitskräfte, zehn Jahre später bereits bis zu 10 Millionen. Neben anderen Maßnahmen empfehlen die Autoren eine Netto-Zuwanderung von jährlich rund 460.000 Menschen. „Den ländlichen Raum trifft diese Entwicklung als erstes. Als Hochschule in einer solchen Region haben wir angesichts dieser Zahlen gar keine andere Wahl, als uns für Studierende aus dem Ausland zu öffnen“, sagt Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann, Rektorin der DHBW Mosbach. Campusleiter Prof. Dr. Seon-Su Kim ergänzt: „Im Idealfall erhalten unsere Partnerunternehmen durch unsere Initiative hochqualifizierte Nachwuchskräfte, die sowohl die deutsche Unternehmenskultur als auch internationale Rahmenbedingungen verstehen und darüber hinaus das Grundverständnis für ihre Heimatregion mitbringen.“ Der Campus Bad Mergentheim kann schon jetzt ein stärkeres internationales Profil als andere DHBW-Standorte vorweisen – auf diesen Erfahrungen baut das Pilotprojekt auf.

Projektschritte: Auswahl, Vorbereitung, Studienvertrag

„Wir haben uns anfangs auf europäische Schulen mit Deutsch als Fremdsprache fokussiert“, erklärt Kim. Vorteil ist, dass das Abitur anderer EU-Länder in der Regel auch in Deutschland anerkannt wird. Außerdem können gute Fremdsprachenkenntnisse bereits vorausgesetzt werden. Durch die Freizügigkeit von Arbeitnehmern innerhalb der Europäischen Union sind auch keine Visa erforderlich.

Für die ersten zwei bis drei Jahre unterstützen die hauseigene Stiftung „Pro DHBW Mosbach“ und weitere Partner den Campus. Das DHBW-Präsidium beteiligt sich mit weiteren 40.000 Euro. „Danach wollen wir weitere Drittmittel einwerben und unsere Aktivitäten auf Asien und Amerika ausdehnen“, gibt Rektorin Jeck-Schlottmann einen Ausblick. Vor diesem Hintergrund fordert sie langfristige Beteiligung von Bund und Ländern: „Beide müssen bei der Finanzierung solcher Projekte mit an Bord sein, da der Fachkräftemangel wie eine Lawine übers ganze Land rollt und kein Spezialproblem einzelner Branchen ist.“ Nach dem Orientierungsseminar sollen weitere Präsenzveran-staltungen, Online-Tutorials und Besuche internationaler Schulen und Messen folgen.

Duale Partner begrüßen Projektinitiative

Anfang April hat die Hochschule interessierten Partnern die Projektidee präsentiert. Dazu Oliver Kössel, Leiter Human Resource Management bei der Wittenstein AG aus Igersheim, einem der Impulsgeber des Projekts: „Wir sind in etwa 40 Ländern vertreten und sehr an einer möglichst frühzeitigen internationalen Vernetzung aller Mitarbeiter und im Besonderen unserer dualen Studenten interessiert. Daher ist die Initiative von doppelter Bedeutung für Wittenstein: Wir können die Attraktivität unseres Standorts bei ausländischen Studierenden unter Beweis stellen und gleichzeitig die interkulturellen Kompetenzen unserer inländischen Studierenden von Anfang an sensibilisieren.“

Um eine „Willkommenskultur“ für Studierende – egal ob nationaler oder internationaler Herkunft – zu etablieren, arbeitet die Hochschule eng mit Stadt und Landkreis zusammen. Dominik Hoppe, innerhalb von Würth Industrie Service zuständig für Personal und Ausbildung: „Wichtig ist, dass auch kommunale Projektpartner eingebunden sind und sichergestellt ist, dass Bad Mergentheim als Gaststadt in allen Facetten bereit ist für ausländische Stu-dierende.“ Wohnen und Verpflegung stehen dabei genauso auf der Agenda wie ein attraktives Freizeit- oder Sportangebot. „Wir sind auf einem guten Weg, die Region fit für die Zukunft zu machen“, ist Kim sich sicher.