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Mosbacher Industrieforum öffnet Mittelständlern Tür zu kooperativer Forschung

21. Mai 2014

Gemeinsame Veranstaltung von IHK Rhein-Neckar und DHBW Mosbach

Die Zukunft der Industrie ist automatisiert: Eindrucksvoll führten die Referenten des Mosbacher Industrieforums in ihren Vorträgen dazu den Beweis. Egal, ob es darum geht, Bestände immer im Blick zu haben, die Produktion digital zu überwachen oder Autos wie von Zauberhand zusammenzubauen: Das Thema „Industrie 4.0“ beschäftigt Großkonzerne genauso wie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Die IHK Rhein-Neckar nahm sich daher des Themas an und organisierte die Tagung im Rahmen des Hochschulkooperationsprogramms POTENZIALE gemeinsam mit der DHBW Mosbach.

Prof. Dr. Max Mühlhäuser, Prorektor und Dekan der Fakultät Technik der DHBW Mosbach, begrüßte Gäste und Referenten. Gleichzeitig verwies er auf das neu eingerichtete FIM-Labor (Fertigungs- und Informationsmanagement) an der Hochschule, in dem zukünftig nicht nur Studierende fachübergreifend lernen, sondern auch KMUs ihre Chancen für „Industrie 4.0“ ausloten können. „Es gibt viele Möglichkeiten zur Kooperation, um gemeinsam Antworten auf anwendungsorientierte Fragestellungen zu finden“, so der Professor.

Nach einem Grundsatzvortrag zum Thema Industrie 4.0 von Prof. Dr. Christian Kuhn, Studiengangsleiter Elektrotechnik, erhielten die fast 100 Teilnehmer der Veranstaltung praktische Einblicke in das Fertigungs- und Informationsmanagement bei fünf Unternehmen der Region. Mit einem eigens entwickelten Bereitstellungsbehälter zur optischen Erfassung des Füllstands verschafft die Würth AG ihren Kunden Überblick über Bestände und verwaltet mit diesem System laut Referent Matthias Mayer im eigenen Unternehmen mehr als eine Million Artikel.

Um die Informationsflut zu bewältigen und essenzielle Fertigungsdetails zu optimieren, positioniert die MPDV Mikrolab GmbH Manufacturing-Executive-Systeme (MES). Diese sind zwischen ERP-Systemen (Enterprise-Ressource-Planning) und den verschiedenen Steuerungselementen der Produktion geschaltet und fungieren damit als Drehschreibe zwischen den Systemen, wie Markus Diesner in seinem Vortrag ausführte.

Die Wittenstein AG entwickelte hingegen ein repräsentatives Spektrum Cyber-Physischer-Systemmodule für Produktion und Logistik im Verbundforschungsprojekt CyProS. Als Schaufensterfabrik wird es nun im eigenen Unternehmen eingesetzt, berichtete Dr. Philippe Isabey. Wie Industrie 4.0 in der Automotive-Branche genutzt werden kann, beschrieb Peter Heidecke von der amotiq automotive GmbH anschaulich anhand von Türverkleidungen, für die sich bei einem einzigen Modell eines deutschen Automobilherstellers mehr als 2.000 Varianten ergeben.

Im letzten Vortrag führte Georg Schappes von ebm-papst aus, wie er ein hochflexibles MES ins ERP-System integrierte und so Produktionsprozesse mit Reaktionszeiten von weniger als 200 ms in einem weltweit agierenden Unternehmen gesteuert werden können. Nach dem Credo „Die richtige Information, zur rechten Zeit, am rechten Ort“ wird der Big-data Informationsfluss aus der Fertigung nun gezielt über ein Mastercockpit an den Arbeitsplatz geleitet. Schappes berichtete, dass die Einführung dieser Technik auch von den dort beschäftigten Mitarbeitern sehr gut angenommen und akzeptiert wird.

Nach den Vorträgen stand den Teilnehmern das neue FIM-Labor der DHBW Mosbach offen. Typische Produktionsanlagen und Fertigungsprozesse können dort in Form von Modellen, Simulationen oder auch realen Teilkomponenten nachgebildet und mit realen Informationssystemen vernetzt, analysiert und gesteuert werden, Beim abschließenden Get-together diskutierten die Besucher intensiv mit den DHBW-Professoren und Mitorganisatoren Prof. Dr. Wolfgang Funk, Prof. Dr. Stephan Hähre und Prof. Dr. Christian Kuhn.

Die IHK Veranstaltungsreihe „POTENZIALE“ wird mit den verschiedenen Hochschulen der Region fortgesetzt, um insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen die Tür zu regionalen Fachinstituten und Forschungseinrichtungen zu öffnen, um gemeinsam neue Produkte und Dienstleistungen auf den Weg zu bringen.

Die Vortragsunterlagen sind auf den Webseiten der IHK Rhein-Neckar unter der Dokumentennummer 169740 abrufbar.