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Vom internationalen zum globalen Unternehmen

23. Mai 2014

Kamingespräch mit ebm-papst-Geschäftsführer Rainer Hundsdörfer

„Unternehmen müssen sich global aufstellen“, forderte Rainer Hundsdörfer. „Denn sonst kommen die Mitbewerber bis vor die eigene Haustür.“ Welche Faktoren dabei zum Erfolg beitragen und welche Herausforderungen das für die Unternehmenskultur und -struktur bedeutet, erklärte der Vorsitzende der ebm-papst-Geschäftsführung in seinem Vortrag am Campus Bad Mergentheim der DHBW Mosbach.

„Wir befinden uns aktuell im Wandel vom internationalen zum globalen Unternehmen“, erzählte Hundsdörfer beim Studium Generale am vergangenen Mittwoch. International bedeute dabei, dass viele Geschäftsbereiche in aller Welt von Deutschland aus koordiniert würden. Ziel des Ventilatorenherstellers sei aber, immer mehr Geschäftsprozesse komplett in andere Länder zu verlagern und damit zum globalen Unternehmen zu werden. „Mit Rainer Hundsdörfer haben Sie einen Geschäftsführer vor sich, der bereits viele Unternehmensstrukturen und Führungsstile von innen gesehen hat“, stellte Campusleiter Prof. Dr. Seon-Su Kim den Gast seinen Studierenden vor. „Hier können Sie hautnah und direkt erfahren, welche Anforderungen der internationale Kontext an Manager stellt.“

„Das Wissen steckt in den Köpfen“

Der ebm-papst-Chef skizzierte für rund 40 angehende Betriebswirte und Wirtschaftsingenieure, wie sich die Unternehmensgruppe international entwickelt hat: Zuerst entstehen Vertriebsniederlassungen, die nach einiger Zeit auch kundenspezifische Lösungen anbieten. Der nächste Schritt ist die Veredlung von Standardprodukten aus Deutschland vor Ort, gefolgt von der vollständigen Produktion im anderen Land. Letztendlich wünscht sich die ebm-papst-Gruppe aber, dass auch die Produktentwicklung international abläuft. „Der Kunde bezahlt uns nicht für zusätzliche Produkteigenschaften“, so Hundsdörfer. „Chinesische Entwickler können darum viel gezielter Produkte für den chinesischen Markt entwickeln als deutsche.“ Sie sind näher am Markt, kennen die Wettbewerbssituation und sind dadurch schneller.

Rainer Hundsdörfer hat dabei kaum Bedenken, dass die Unternehmensgruppe beispielsweise in China zu viel Know-how preisgibt: „Solange wir nur kopiert werden, können wir nicht überholt werden – und es ist ja ein Lob und Beleg dafür, dass wir alles richtig machen.“ Mittlerweile gebe es wirksamen technischen Schutz, dass Baupläne und ähnliches nicht gestohlen werden könnten. „Aber das Wissen steckt ja auch in den Köpfen. Deswegen müssen wir schauen, dass der Mensch bei uns bleibt!“ Dabei helfen beispielsweise lokale Geschäftsführer.

Der Mensch im Mittelpunkt

Damit dieses Konzept funktioniert, müsse die Unternehmenskultur passen, so der Geschäftsführer, der selbst im Ausland und bei ausländischen Unternehmen gearbeitet hat und damit den Blick von außen aus einem Tochterunternehmen kennt. „Das wichtigste ist, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.“ Konkret bedeutet das, dass die Unternehmensgruppe sich darum kümmert, dass die Mitarbeiter weltweit gern zur Arbeit kommen. Am Stammsitz Mulfingen gibt es Shuttle-Busse, mit denen die Mitarbeiter von Zuhause abgeholt werden, und in Landshut Fitnesskurse während der Arbeitszeit, die nebenbei die Krankheitsquote drastisch reduziert haben. Werke in Indien dagegen sind klimatisiert, was im tropischen Klima sowohl die Arbeitsqualität verbessert als auch die Produkte selbst schont. Die Mitarbeiter können sich wiederaufbereitetes Trinkwasser mit nach Hause nehmen, dort eine wertvolle Ressource. „Wir akzeptieren andere Kulturen gerne, tragen aber natürlich unsere Kernwerte in die Außenstellen“, so Hundsdörfer. Das sind Vertrauen in die Mitarbeiter, gute und transparente Kommunikation nach innen und nach außen, die gleichen Ausbildungsstandards und Arbeitsbedingungen weltweit, aber beispielsweise auch gleiche Bezahlung der Führungskräfte an allen Standorten und unabhängig von der Herkunft.

Einige persönliche Tipps hatte der Manager während der anschließenden Fragerunde auch für die Studierenden: Sie sollten weltoffen bleiben und Sprachen lernen. Sie sollten Auslandserfahrungen sammeln und bei einer Bewerbung im Anschreiben zeigen, welche Persönlichkeit in ihnen steckt. Sie sollten den Mut finden, immer mal wieder etwas Neues anzufangen. Aber am wichtigsten: „Überlegen Sie sich, welche Arbeit Ihnen Spaß macht! Dann werden Sie erfolgreich sein und mit Begeisterung arbeiten. Aber vernachlässigen Sie nie Ihre Familie, denn manche privaten Erlebnisse können Sie nie nachholen.“