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Zwischen Rollenbild und Frauenquote

29. Oktober 2015

Podiumsdiskussion im Rahmen der Frauenwirtschaftstage an der DHBW Mosbach

Unter dem Motto „Nicht steckenbleiben – Frauen zwischen Karriere und Familie“ fand im Rahmen der Frauenwirtschaftstage die Aktion für Gleichstellung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach statt. Mit verschiedenen Referentinnen und Referenten und Veranstaltungspartnern hatte das Publikum die Möglichkeit, sich in einer Diskussionsrunde über Chancengleichheit und Förderung von Frauen auszutauschen.

Die Rektorin der DHBW Mosbach Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann begrüßte die Anwesenden und nannte Eckzahlen zu den Studentinnen an ihrer Hochschule: Zwar seien 48 Prozent der Studierenden in der Fakultät Wirtschaft weiblich, allerdings nur 18 Prozent in der Technik. Nach wie vor verdienten Frauen im Schnitt etwa 22 Prozent weniger als Männer, so die Rektorin. Angelika Bronner-Blatz, Beauftragte für Chancengleichheit und Frauenförderung des Landkreises Neckar-Odenwald, nahm diesen Faden auf und wies darauf hin, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen zwar mittlerweile gut seien, doch: „Eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist es jetzt, diese gesetzlichen Rahmenbedingungen mit Leben zu füllen.“ Dies geschehe durch Netzwerke oder Vorbilder: Frauen und Männer, die von ihren Erfolgen und den eigenen Lösungswegen erzählen.

Das anschließende Grußwort durch Landrat Dr. Achim Brötel hob die mittlerweile gut ausgebaute Kinderbetreuung im Neckar-Odenwald-Kreis hervor, wies jedoch darauf hin, dass hier noch Luft nach oben sei. Besonders die Betreuung von Kindern während der Ferienzeiten und der Ausbau zu Ganztagsschulen müsste noch weiter vorangetrieben werden. Darüber hinaus forderte er Frauen auf, mutiger zu sein und sich zu trauen, Führungsaufgaben zu übernehmen.
Sabine Schweiger, Bürgermeisterin von Aglasterhausen, hielt im Anschluss einen Impulsvortrag mit dem Thema „Seid nicht so schlaff!“ Trotz besserer Rahmenbedingungen wagten sich viele Frauen nicht in höhere Positionen oder hielten selbst an traditionellen Rollenmustern fest. Hier sei es wichtig, dass Frauen selbstbewusster auftreten und das Problem weiblicher Altersarmut nicht verharmlosen. Die Politik dürfe hier nicht die Augen verschließen und sei mit gezielter Unterstützung bei der Berufsorientierung, Kinderbetreuung und familienbewusster Personalpolitik gefragt. Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel folgte mit dem Impulsvortrag „Zwischen Barbie-Knick und Frauenquote – Versuche das ‚Warum‘ zu beantworten“.

In seinem Impulsvortrag „Männliche Erfahrung mit der Elternzeit“ erklärte Prof. Dr. Polzin, Studiengangsleiter an der DHBW Mosbach, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur Frauensache ist. Rektorin Gabi Jeck-Schlottmann zeigte im Anschluss die Chancen und Möglichkeiten für Frauen an der DHBW Mosbach auf und stellte erfolgreiche Absolventinnen aus Wirtschaft und Technik vor, die als die geforderten Vorbilder für aktuelle und künftige Studentinnen fungieren können.

Anknüpfend an die Impulsvorträge moderierte Prof. Erika Gauch die abschließende Diskussionsrunde, an der sich auch die Studentin Sabrina Weinreich beteiligte. Gauch sprach hier die Problematik an, dass nur 23 Prozent der in einer Studie befragten Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für möglich halten, denn neben Betreuungsplätzen für die Kinder fehle es vor allem an gesellschaftlichem Bewusstsein und dem Engagement beider Elternteile. Dass dies jedoch zunimmt, zeigte Polzin, der insgesamt dreimal die Elternzeit in Anspruch genommen hatte. Sein Fazit: Es ist eine Frage des Wollens. „Man muss Männern Zeit geben, aber die Bereitschaft ist vorhanden!“ Neben einem gesellschaftlichem Umdenken sind jedoch auch Vorbilder wichtig, wie Studentin Weinreich anmerkte: „Man sieht an den Beispielen, dass es geht. Und das macht mir Mut."