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Finanzmärkte, Wirtschaftsweise und viel Praxisbezug

23. Juli 2015

Seit 2014 unterrichtet und forscht Prof. Dr. Hasan Doluca als Professor für Quantitative Ökonomie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach

Hasan Doluca arbeitete als Referent für Finanzmärkte für die fünf Wirtschaftsweisen. Auslandsaufenthalte wie ein Studienaufenthalt in Texas prägten sein Weltbild. Und mit seinen Forschungsarbeiten möchte der 38-Jährige den politischen Diskurs unterstützen. Seit August 2014 unterrichtet der Wirtschaftswissenschaftler nun als Professor für Quantitative Ökonomie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Mosbach.

Als Hasan Doluca 1996 in seiner hessischen Heimatstadt Marburg an der Philipps-Universität zum BWL-Studium antrat, lag für ihn der Gedanke fern, eines Tages selbst als Professor im Hörsaal zu stehen. „Ich wollte selbstständig werden und in den Handel gehen“, blickt der 38-Jährige auf seine damalige Studienmotivation. Er belegte den Schwerpunkt „Marketing und Handel“, entschied sich zudem für die Felder Wirtschaftsinformatik und Statistik. Eine Zeit, die Dolucas heutige Lehrtätigkeit prägte, denn vor allem schätzte er in Marburg die sehr intensive, individuelle Betreuung durch die Dozenten. „Mir ist wichtig, dass meine Studenten aus den Vorlesungen etwas mitnehmen, das sie im Unternehmen anwenden können“, sagt er über seine Arbeit als Professor, fügt an: „Die Qualität der Lehre, insbesondere den Studierenden das Verständnis der verschiedenen wissenschaftlichen Methoden zu vermitteln, ist mir besonders wichtig.“

Nach Marburg absolvierte Doluca den Master of Science in Management and Administrative Sciences an der University of Texas at Dallas und traf dort auf Studierende aus aller Welt. „Die Zeit beeinflusste mich stark. Ich sehe die Welt heute mit anderen Augen, kann andere Meinungen, Ansichten und Mentalitäten besser verstehen“, sagt der 38-Jährige. Das ist umso spannender, als Doluca als Sohn türkischer Gastarbeiter selbst in zwei Kulturen aufwuchs. Er betont: „Ich empfehle jedem, während der Studienzeit ins Ausland zu gehen, ohne Wenn und Aber.“

Nach Texas wollte Prof. Dr. Doluca promovieren, schwankte zwischen den USA und Deutschland. An der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt erhielt er die Möglichkeit an einem strukturierten, internationalen Doktorandenprogramm zu partizipieren. Bewusst entschied sich der Wirtschaftswissenschaftler anschließend für eine Promotion in Volkswirtschaftslehre: „Mit der Finanzkrise bewegten wir uns 2007 in einer spannenden Zeit, ich wollte wissen, wie der Finanzmarkt funktioniert. Für ihn ein echter Glücksgriff: Professor Dr. Roman Inderst betreute als Doktorvater seine Promotion, dieser gilt als einer der forschungsstärksten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Nach dem ersten Jahr im Doktorandenprogramm erhielt Doluca ein Stipendium.

Am „Institute für Monetary und Financial Stability“ in Frankfurt forschte er ab 2006 zu den Themen Finanzregulierung und Finanzstabilität. „Ich hatte die Möglichkeit, mich immer wieder in neue Bereiche einzuarbeiten, wollte immer mehr Wissen sammeln. Mir machte Forschung inzwischen sehr viel Spaß, ich wollte ständig Neues erfahren und auch wissenschaftlich wie gesellschaftlich anerkannte Aussagen kritisch hinterfragen“, blickt der 38-Jährige zurück. Und so dachte er nicht länger an eine Karriere als Unternehmer, sondern wollte künftig vor allem zwei Dinge: Lehren und Forschen. Die Möglichkeit zur Dozententätigkeit erhielt er noch während des Studiums und der Promotion unter anderem an der Frankfurt University of Applied Sciences und der Bogazici Universität Istanbul. „Die Vermittlung von Wissen an Andere bereitet mir viel Spaß, weswegen ich auch freiwillig Vorlesungen während meiner Studienzeit gehalten habe“ sagt Doluca.

Prägend auch die nächste Station: Als Referent für Finanzmärkte arbeitete Prof. Dr. Doluca ab 2009 für den „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“, im Volksmund besser bekannt als die fünf Wirtschaftsweisen. „Hier gewann ich die Lust, an aktuellen Themen zu arbeiten“, sagt der Hesse. Und so beschäftigte er sich im Folgenden zum Beispiel mit einer wissenschaftlichen Bewertung der Gesellschaftskritik an Ratingagenturen.  
Der Ruf an die DHBW Mosbach folgte im August 2014. „An der Universität fehlte mir häufig der Praxisbezug, jetzt liegt darauf der Fokus. Das schätze ich sehr“, sagt er. Schwerpunkt seiner Professur ist die Quantitative Ökonomie, zudem lehrt er Operations-Research, Mathematik und Statistik. Forschen will der 38-Jährige übrigens auch in Zukunft, vor allem um mit seinen Arbeiten den politischen Diskurs weiterhin zu unterstützen.
Und die neue Arbeit kam laut Doluca noch aus einem anderen Grund zum richtigen Zeitpunkt: Er ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und hat nun etwas mehr geregelte Zeit für die Familie. Auch Sport ist ihm wichtig, er spielt Fußball und fährt viel Fahrrad.