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„Start-Up Würzburger Kickers – sportliches Wunder und unternehmerisches Risko“

8. Mai 2017

Schlossgespräche am Mergentheimer DHBW-Campus mit Kickers-Vorstand Daniel Sauer

„Eine ganze Region für den Fußball gewinnen“, so lautete das Ziel der Würzburger Kickers in den letzten Jahren. Daniel Sauer, seit Dezember 2015 Vorstandsvorsitzender der FC Würzburger Kickers, erzählte bei den Schlossgesprächen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach, wie sein Verein dieses Ziel erreichte und welche sportlichen und wirtschaftlichen Zukunftsaussichten er für den Zweitligaverein sieht.

Campusleiter Prof. Dr. Seon-Su Kim begrüßte die rund 150 Gäste aus Wirtschaft und Politik, aus den Reihen der Partnerunternehmen, Professoren und Studierenden. Rektorin Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann freute sich: „Die Schlossgespräche sind die perfekte Plattform, um Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen, um Bindungen aufzubauen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln.“ Zu den 10. Schlossgesprächen lud der Campus Bad Mergentheim der DHBW Mosbach gemeinsam mit der IHK Heilbronn-Franken. Christof Geiger, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Bad Mergentheim, schlug in seiner Begrüßung die Brücke zum sportlichen Thema des Abends, indem er die Gemeinsamkeiten von Sportlern und Unternehmern herausstellte: Ziele, Disziplin, Ehrgeiz und die Fähigkeit, immer wieder „aufzustehen und von Neuem anzulaufen“.

Rasanter Aufstieg zum Profifußball

Der ganze Abend stand unter dem Motto „Der Würzburger Weg: Eine Vision wird wahr – plötzlich rollt der Zweitliga-Fußball“. Daniel Sauer, ehemaliger Handball-Bundesliga-Profi der HBW Balingen-Weilstetten und ein Kind Würzburgs, führte als Hauptredner in einem Vortrag über die rasante Entwicklung der Würzburger Kickers durch den Abend: Aufstieg aus der sechsten Liga (Oberliga) in das Profigeschäft der Zweiten Liga innerhalb von fünf Jahren, dabei ein Durchmarsch von der vierten Liga (Regionalliga) in die Zweite Bundesliga – das ist nahezu einzigartig im deutschen Profifußball. Um so weit zu kommen, mussten sich die Kickers nicht nur sportliche, sondern auch unternehmerische Ziele setzen.

Die Auflagen stiegen mit Höhe der Spielklasse, der vergleichsweise nach wie vor klein aufgestellte Verein musste von Beginn an wie ein Start-Up-Unternehmen denken und agieren. „Der Aufstieg war nicht nur ein sportliches Wunder, sondern auch ein unternehmerisches Risiko“, so Sauer. Bei allem sportlichem Erfolg müssten jetzt „vor allem Infrastruktur, Etat und Organisation nachwachsen. In der Regionalliga hatten wir noch drei Leute in der Geschäftsstelle, heute sind es in der AG bereits knapp 80 Arbeitsplätze – Kader und Funktionsteam inbegriffen.“

Parallelen zwischen Wirtschaft und Fußball

Sauers Geheimrezept dafür: „Lernen vom Sport“ in puncto Zusammenhalt und die Übertragung des Sportsgeistes auf Projekte und wirtschaftliche Unternehmen. Man müsse stets neue und ambitionierte Ziele entwickeln und eine offene Fehlerkultur pflegen. „Fehler dürfen gemacht werden, müssen auch gemacht werden. Wichtig ist nur, dass man danach wieder aufsteht, daraus lernt und sie nicht wiederholt.“

Weiterer Schlüssel zum Erfolg sei eine hohe Motivation innerhalb des Teams, die vor allem über Emotionen, einen starken inneren Antrieb und die „partnerschaftliche Einbindung einer ganzen Region in das ‚Projekt Profifußball‘“ immer wieder aufs Neue befeuert werde. Bei den Projekten ‚Aufstieg in die dritte Liga in drei Jahren‘ und danach ‚Aufstieg in die zweite Liga in drei Jahren‘ „waren wir nicht so gut in der zeitlichen Umsetzung, weil wir immer viel schneller fertig waren und früher geliefert haben“, sagte Sauer mit einem Augenzwinkern.

Strahlkraft in die Region

Die Strahlkraft des Vereins nach außen bringt nicht nur dem Klub viele Vorteile, sondern nützt auch dem Stadtmarketing und befeuert die hiesige Wirtschaft. Fast jeder Fußballfan, der die zweite Bundesliga verfolgt, hat zumindest schon von den Würzburger Kickers gehört, erläuterte der Kickers-Vorstand. Somit kennen viele Fußballzuschauer die Stadt Würzburg. Davon profitieren insbesondere Hotels, Restaurants, Sicherheitsdienste, Transportdienste und die Infrastruktur. „Bei über 10.000 Zuschauern können wir schon einiges bewirken“, erklärte Sauer. Nicht umsonst wächst das System Profifußball zehn Mal so schnell wie die deutsche Wirtschaft durchschnittlich. Diese Wirtschaftskraft verbleibt nachweislich nahezu vollumfänglich in der Region.

Zum Ende des Vortrags betonte Sauer, dass das wichtigste für den Verein zunächst die Konsolidierung sei, auch wenn die Kickers derzeit noch um den Zweitliga-Verbleib kämpfen: „Ob zweite oder dritte Liga, wir halten an unserer Vision fest!“